Haare waschen ohne Shampoo: Q&A

Haare waschen ohne Shampoo klingt super in der Theorie. In der Praxis jedoch, tauchen häufig Fragen auf. Die meist gestellten beantworte ich in diesem Q&A.

All diese Antworten spiegeln nur meine persönliche Erfahrung wider. Ich bin weder Chemikerin, noch Seifensiederin. Ich bin stattdessen einfach nur mein bestes Versuchskaninchen, das keine Lust auf Chemie hat. Hier kommen jetzt die meist gestellten Fragen und meine Antworten:

/ Muss ich die Haare vorher Durchfetten lassen?

Erst einmal: Du musst gar nichts. Vielleicht funktioniert die Umstellung bei dir auch ohne das Durchfetten, doch das Durchfetten hat einen einfachen Sinn: Deine Talgproduktion kann sich langsam umstellen. Durch jahrelange Nutzung von Shampoo, und den darin enthaltenen Giftstoffen, ist die Kopfhaut ausgetrocknet. Sie hat daraufhin mehr Talg als nötig produziert. Daher fetten die Haare immer schneller.

In dieser Umstellungsphase kann deine Kopfhaut sich also erholen und es wird über mehrere Wochen nur einmal die Woche mit Natron gewaschen. Von Woche zu Woche wird weniger Sebum produziert und dein Haar weniger schnell fettig. Ich habe von einigen Fällen gehört, wo das nicht klappt. Jeder Haartyp ist leider anders. Bei mir hat die Umstellung ungefähr 8 Wochen gedauert – also auch relativ lang.

/ Wie bleiben meine Haare länger „frisch“?

Ganz einfach, das Schlüsselwort lautet: Bürsten. Empfohlen sind 100 Bürstenstriche pro Tag. Besonders gut eignet sich dazu eine Wildschweinborstenbürste, doch es gibt auch vegane Alternativen. Nimm dein Haar Strähne für Strähne in die Hand und bürste diese Strähne von vorne und von hinten ausgiebig. Wiederhole das, bis alle Haare gebürstet sind. Das hat mehrere Vorteile: Durch das Bürsten wird überschüssiges Fett in die Spitzen gekämmt. Das Haar glänzt toll und das Sebum wird so noch schneller von der Kopfhaut weg befördert. Ich bürste seit über vier Jahren mit dieser Technik meine Haare und habe überhaupt keinen Spliss mehr.

Solltest du deine Haare föhnen, bürste sie einfach während des Föhnens. Gehe auch hier Strähne für Strähne vor. Durch die Hitze löst sich das Sebum noch besser von der Kopfhaut und sammelt sich dann in der Bürste. Mein Tipp: Lege dir ein kleines altes Gästehandtuch bereit und reibe die wachsartigen Rückstände auf der Bürste immer wieder kräftig ab. So verteilst du sie nicht wieder im Haar. Eine weitere Variante, um das Haarewaschen noch ein bis zwei Tage hinaus zu zögern, ist Trockenshampoo. Das kann man ganz leicht selber machen und es gibt zahlreiche Rezepturen online.

/ Was mache ich beim Friseurbesuch oder beim Sport?

Ich würde dir empfehlen, eine Haarwaschseife oder ein festes Shampoo mitzunehmen. Einfach, weil es unkomplizierter ist. Allerdings habe ich noch kein festes Shampoo gefunden, was mir von den Inhaltsstoffen zu 100% zusagt. Für die bessere Kämmbarkeit kannst du dir in einem kleinen Fläschchen natürlich auch eine Rinse fertigmachen. Ich bringe beim Friseur immer meine Haarwaschseife mit und verzichte auf Conditioner, Gel, Wachs, etc. Dann kämme ich meine Haare selbst. Ganz wichtig: Vertraue dir und lasse dich nicht verunsichern.

Mir haben schon so viele Friseure erzählen wollen, dass ihr Shampoo vegan und frei von Giftstoffen sei… ein Blick auf die Inhaltsstoffe hat dann jedoch immer das Gegenteil bewiesen. Die Friseure haben es nicht anders gelernt und meinen es nicht böse. Ich habe festgestellt, dass die Meisten die Namen der Giftstoffe nicht mal kennen. Übernimm Verantwortung, lade dir meine Liste mit den schlimmsten Giftstoffen herunter und entscheide selbst, was du auf deine Haut lässt.

/ Wieso habe ich nach dem Waschen einen Fettfilm auf dem Kopf?

Jedes Wasser hat einen anderen Härtegrad und unterschiedlich hohen Kalkanteil. Doch beides wirkt sich auf das Waschergebnis aus. Ist dein Wasser sehr kalkhaltig (das ist im Ausland oft der Fall), wird zum Beispiel Seife nicht richtig ausgewaschen. Sie verkalkt dann auf deinem Kopf. Ergebnis: Ein schmieriger Film verbleibt im Haar. Hier hilft nur Ausprobieren – baue einen Kalkfilter ein, probiere verschiedene Seifen mit unterschiedlich hohen Überfettungsanteilen oder verschiedene Rinsen. Sollte das nicht helfen, steige auf Roggenmehl oder Lavaerde um. Beides führt zu einem guten Ergebnis – unabhängig von Wasserhärte oder Kalkanteil.

/ Was bedeutet Überfettung einer Seife?

Die Überfettung einer Seife gibt an, wieviele Öle nicht verseift sind. Sie bleiben quasi übrig und pflegen die Haare. Es gibt unterschiedlich hohe Überfettungsanteile und hier hilft nur Ausprobieren. Ein guter Mittelwert sind 4-6%. Je höher die Zahl, desto mehr Pflege und desto besser ist die Seife für trockene Haare geeignet. Doch Vorsicht: Hier gibt es keine Pauschalantwort, denn jeder Haartyp ist anders. Einige kleine Seifensiedereien bieten übrigens Probierpakete mit unterschiedlichen Haarwaschseifen an. Natürlich haben auch die unterschiedlichen Öle einer Seife unterschiedliche Auswirkungen auf deinen Haartyp und damit auf das Ergebnis. Du merkst, es ist eine kleine Wissenschaft für sich.

 

/ Hilfe, meine Haare fliegen

Ja, auch meine Haare waren anfangs aufgeladen. Das hat sich im Laufe der Zeit gebessert, ist aber nicht ganz weg. Ich bürste daher meist abends ausgiebig und morgens nur ein paarmal grob.

 

/ Verträgt sich No-Poo auch mit gefärbten Haaren?

Viele alternative Haarwaschmethoden vertragen sich sehr gut mit gefärbten oder gesträhnten Haaren. Allerdings solltest du Natron nicht länger als ein paar Wochen anwenden. Es trocknet die Haare schnell aus und strapaziert sie zusätzlich, denn es ist aggressiver als zum Beispiel Roggenmehl. Häufig werden die Haare mit Natron sehr stumpf. Da jeder Haartyp anders ist, kann dir das auch mit Haarwaschseifen passieren, die wenig Rückfettung haben. Um deine Haare zustätzlich zu pflegen empfehle ich dir, regelmäßige (selbstgemachte) Haarkuren. Mit ein paar Zutaten, kann man diese im Nu zaubern. Auch Haaröle eignen sich super für die Spitzen.

/ Ich verliere soviele Haare beim Bürsten

Lässt man den klassischen Conditioner weg, sind die Haare nach dem Waschen – trotz Rinse – schwerer kämmbar. Ich benutze einen Tangle Teezer und komme damit sehr viel schneller durch meine Haare als ohne. Vielleicht verliert man gefühlt mehr Haare, als beim klassischen Shampoo, dafür wäscht man seltener und es gleicht sich aus.

/ Ich habe dünne Haare – Seife oder Mehl?

Hier empfehle ich auf jeden Fall Roggenmehl. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Haare mit dem Mehl sehr viel Volumen haben, bei einer Seife nicht ganz so stark. Aber auch hier gilt: Ausprobieren, denn jeder Haartyp ist anders.

 

Alle Folgen der Artikelserie Haare waschen ohne Shampoo im Überblick:

Einleitung: mein Langzeittest
Erste Folge: Natron
Zweite Folge: Lavaerde
Dritte Folge: Haarwaschseife
Vierte Folge: Roggenmehl + Fazit
Q&A: Die meist gestellten Fragen

Solltest du weitere Fragen haben, schreibe sie gerne in die Kommentare. Diese Liste wird stetig erweitert.

Foto: Kelly Sikkema / Unsplash

 

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4 comments

  1. Steffi,
    ich habe schrecklich feines und dünnes Haar. Sollte ich kein spezielles, dafür geeignetes Shampoo verwenden, liegt das Haar sehr platt am Kopf an.
    Bringt Haarseife Volumen in das Haar?

    Lieben Gruss

    1. Hey Claudia, ich würde dir keine Haarseife empfehlen, sondern Roggenmehl. Ich finde, das Mehl bringt mehr Volumen. Klar, viele denken, dass Volumenshampoo extra Volumen bringt. Vielleicht ist das kurzfristig auch so. Langfristig legt sich eine schöne Schicht aus Chemie um dein Haar und beschwert es. Und es wird wieder mehr Talg produziert. Ich würde dir ganz klar Roggenmehl empfehlen. Schau mal in den Kommentar von Melanie – sie schreibt über ihre Erfahrungen mit Mehl und dünnem Haar.
      Liebe Grüsse, Steffi

    2. Liebe Steffi,
      Ich bin über diesen Artikel auf deinen Blog gestoßen und nun bin ich Fan;)
      Gegen fliegende Haare hilft es, beim Bürsten (mit ner Wildschweinbortsten-Bürste) die jeweilige Strähne mit der Hand nachzustreichen.

      Liebe Grüße,
      Lena

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