Theresa: Mit manisch Depressiven umgehen

manisch depressive Beziehung

Eine Depression ist auch für Angehörige eine Belastung, die häufig bis an die eigenen Grenzen führt – und darüber hinaus. In einem tiefen, ehrlichen Gespräch erzählt Theresa im Podcast, über die Herausforderungen im Umgang mit psychisch Erkrankten und darüber, wie sie ihre eigene Seele schützt.

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Die ganz kleinen Dinge im Leben

Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist, habe ich entschieden, glücklich zu sein„. Dieses Zitat von Voltaire steht auf einer Postkarte und hängt bei Theresa an der Wand. Es erinnert sie an einen markanten Brand-New-Day-Moment – also einen dieser Momente vor vielen Jahren, an dem sie für sich selbst begriffen hat, dass es ganz allein mit ihrer Einstellung zu tun hat, wie sie sich fühlt. Und dass negative Gefühle anderen Menschen gegenüber demnach ebenfalls auch mit ihr selbst zu tun haben müssen: ein Gamechanger.

Verantwortung übernehmen und glücklich sein

Gerade in Bezug auf Männer, lag hier lange Zeit ihre größte Herausforderung: „Wenn ich sie nur genug liebe und mit ihnen verschmelze, kann ich sie heilen und glücklich sein“, dachte Theresa früher. Heute weiß sie, dass genau das Gegenteil der Fall ist. „Denn nur, wenn man mit sich selbst im Reinen ist, ist man auch dazu in der Lage, unabhängige Beziehungen zu führen die man sich von Herzen wünscht. Alles andere ist doch ein Trugschluss und führt auf falsche Fährten – denn wer möchte schon der Möhre hinterher rennen?“

Zwischen Baum-und-Borke-Phase

Wir sitzen in ihrer wunderschönen Berliner Altbauwohnung und genießen die Ruhe vor dem Sturm: Bald werden sie, ihr Mann und die zwei kleinen Kinder ein paar Monate lang auf Weltreise gehen. Doch die Entscheidung fiel nicht leicht: „Selbst wenn genügend Zeit und Geld vorhanden sind um seinen Träumen zu folgen, ist es, so Theresa, trotzdem kein „walk in the park“ die eigene Komfortzone zu verlassen.“ Für sie gleicht dies einer Nahtoderfahrung.

Häufig verharren wir in Situationen und warten auf den perfekten Moment. Doch diesen perfekten Moment gibt es nicht – er ist eine Illusion. Denn ganz egal was für ein Abenteuer auf uns wartet: Richtig bereit fühlen wir uns dafür nie. Hören wir dann auf unsere Zweifel und Ängste, bleiben wir wo wir sind und bewegen uns keinen Zentimeter. Theresa und ihr Mann entscheiden sich mutig für das Abenteuer und damit auch für eine Reise zu sich selbst: Sie kündigt ihren Job bei der Nationalgalerie nach über 14 Jahren und befindet sich nun in einer „Baum-und-Borke-Phase“, wie sie selbst sagt. Denn nach der Reise wird nichts mehr so sein wie es war: Die kleine Familie zieht in die Heimat ihres Mannes nach München und starten in ein neues Leben.

Mein Leben ist super,
aber meine Grundemotion ist immer Angst.
(Theresa)

Ihr Weg der persönlichen Entwicklung hat für Theresa gefühlt schon mit drei Jahren begonnen. Obwohl sie eine tolle, liebende Familie hatte und es ihr an nichts mangelte, war sie häufig unglücklich: „Ich wollte everybody’s darling sein und allen gefallen. Ich habe mich viel geschämt und war häufig angespannt. Dazu hatte ich das Gefühl, falsch zu sein und habe mir nicht erlaubt, glücklich zu sein. Ich dachte, ich dürfte keinen Schmerz fühlen, da mein familiäres Grundgerüst doch stimmte. So habe ich mir unbewusst genau die Männer ins Leben gezogen, die mir all diese Themen im Aussen spiegelten.“

Manisch Depressiv in der Beziehung

Wenn wir es schaffen, die Erwartungshaltung an uns selbst herunterzuschrauben, können wir uns auch erlauben, häufiger mal die Kontrolle abzugeben. Und zulassen, an Grenzen zu stoßen: „Manchmal kippt einem das Leben scheiße vor die Füße – der Magic Moment liegt dann in der Bewertung“, findet Theresa und schaut auf die Postkarte von Voltaire an der Wand. Auf der anderen Seite „müssen wir auch nicht immer Buddha sein.“

Es war in Schottland und Liebe auf den ersten Blick. Doch Theresa durfte auf schmerzhafte Art und Weise lernen, dass auch die Liebe nicht alles besiegen kann. Der besagte Mann war manisch depressiv und Alkoholiker: „Wenn es damals sowas gegeben hätte, wie Onlinecoaching oder gute Bücher für Angehörige – hätte ich ihm vielleicht helfen können. Doch ich war jung und ein behütetes Mädel aus Berlin. Viele meiner Freunde haben sich damals abgewandt – sie konnten nicht mehr ertragen, wie ich leide. Das war zwar hart, aber auch ein Warnschuss: Denn so konnte ich meinen Glaubenssatz „Du musst nur genug lieben, dann kannst du den Anderen heilen“ loslassen“, so Theresa.

Doch wie geht man als Angehöriger mit Krankheiten dieser Art um? Wie sorgt man gut für sich – ohne an dieser Erfahrung zu Grunde zu gehen? Theresa hat mir ihre Tipps verraten, die vielleicht auch dich inspirieren, solltest du in einer ähnlichen Situation stecken. Sie lauten:

  • Ganz klare Grenzen für sich selbst ziehen.
  • Eine Barriere für sich selbst aufbauen und nachts das Handy abschalten.
  • Hilfe annehmen und mit einem Coach oder Psychologen an den eigenen Schuldgefühlen arbeiten.
  • Sich selbst auf der körperlichen Ebene durch durch Yoga stabilisieren.
  • Viel Spazieren gehen.
  • Mit Freunden treffen und Dinge tun, die einem gut tun.
  • Einen Dankbarkeitsbrief an denjenigen schreiben.
  • Aus der Co-Abhängigkeit rauszugehen und gegebenenfalls vorübergehend den Kontakt abbrechen, um durchzuatmen.
  • Familienaufstellung machen, um Muster zu erkennen.
  • Vergebungsarbeit machen.

Fake it till you make it

In einer besonders starken manischen Phase sehen sie sich – ohne dies zu wissen – ein letztes Mal am Flughafen: „See you next life as butterflies“ sagt er und stirbt 2016 unverhofft. Auf dem Weg nach Hause und kurz nach der Todesnachricht, nimmt Theresa zum ersten Mal in ihrem Leben Hilfe an und kontaktiert eine Psychologin. Auch das war ein weiterer Brand-New-Day-Moment und gleichzeitig Überlebensstrategie: „Ich habe die Entscheidung getroffen, glücklich zu sein – Fake it till you make it“, sagt sie und ihre Augen strahlen Stärke aus.

Folge auch der Angst

Die Hilflosigkeit zu akzeptieren ist ein schmerzhafter Prozess. Doch Erfahrungen wie diese machen uns stark – wenn wir auch das Geschenk hinter all den Erfahrungen – erkennen. Merke: Da wo die Angst ist, geht manchmal auch der Weg entlang. Denn hinter der Angst, da ist häufig auch die Liebe versteckt – wenn wir die Augen aufmachen und ganz genau hingucken.

 

RESSOURCEN

  • Buchtipp: „An unquiet Mind“ oder auf deutsch: „Meine ruhelose Seele: Die Geschichte einer bipolaren Störung“ von Kay Redfield Jamison (unterstütze doch deinen Buchladen um die Ecke).
  • Kostenloses Arbeitsbuch: 50 Fragen – lerne dich besser kennen“.

MUSIK

Der wunderschöne Titelsong: „Brand New Day“, ist von dem großartigen Liedermacher Jan Loechel. Du kannst diese Tiny-House-Version hier streamen und downloaden. Oder du hörst dir einfach Folge 02 an, in der Jan Loechel mein Gast war.

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